Design in Worten:
Der Netz-Adapter

Wieviel die Gestaltung nebensächlicher Dinge mit der Wahrnehmung eines Produktes zu tun hat.

______________________________________________________________________________________________________________

Würde es ihn nicht geben, könnten Laptops uns nicht lange ihren Dienst erweisen. Tatsächlich geht es sogar soweit, dass mobiles Arbeiten im Allgemeinen ohne ihn erst gar nicht möglich wäre: der Netzadapter. Doch obwohl er neben dem Laptop selbst der treueste Begleiter jedes Büronomaden ist, wird seine Gestaltung dieser unverzichtbaren und verantwortungsvollen Aufgabe häufig nicht gerecht.

Schwarz und klobig erscheinen die meisten Exemplare seiner Spezies. Nur ungern platziert man die Geräte, deren Geometrien häufig von Schlitzen, Kerben und Schrauben strukturiert werden, vor seinem Geschäftspartner auf dem eleganten Konferenztisch. Noch peinlicher wird es sogar, wenn das Kabelknäuel nicht auf die Schnelle zu entwirren ist. Viele Netzteile sind sogar so technisch plump gestaltet, dass sie im Gesamtbild schicker Möbel und exklusiver Technik einen Bruch darstellen.

Tatsächlich ist es keine leichte Aufgabe, vier Meter Kabellänge mit dem zugehörigen Adapter in ein kompaktes, ansehnliches Format zu bringen. Dass dies jedoch nicht unmöglich ist und sogar ästhetisch aussehen kann, beweist ein Exemplar, das sich von seinen Artgenossen gezielt abhebt: Der glatte, weiße Quader mit den weichen abgerundeten Ecken hält sich in seiner Gestaltung dezent zurück und weist doch so manche Raffinessen auf. Zwar hat er seinen eigenen Stil, doch harmoniert er durch seine ähnlichen Formen mit dem Computer, ohne den auch seine eigene Existenz nutzlos wäre. Ihre Zusammengehörigkeit ist jedoch nicht nur anhand ihrer Formensprache erkennbar. Computer und Ladestecker ziehen sich sogar regelrecht an: Durch einen eingebauten Magneten ist keine Treffsicherheit des Nutzers verlangt.

Das Adaptergehäuse breitet bei Bedarf seine kleinen Flügel aus und beflügelt seinen Besitzer damit bildlich, das Kabel ordentlich aufzuwickeln. Möchte man dieses Angebot nicht wahrnehmen, lassen sich die klappbaren Winkel kompakt in die Form des Gehäuses integrieren und wirken so nicht störend.
Ob lange oder kurze Strecken, auch die Wahl der Kabellänge wird dem Nutzer überlassen. Vier Varianten kann man durch den austauschbaren Netzstecker in unterschiedlicher Länge kombinieren. Die winzigste Sache am ganzen Gerät rundet das sonst so lästige Kabelaufwickeln ab. Mit einer kleinen Klemme befestigt man das Ende am aufgewickelten Kabel und verhindert dadurch, dass ein nervenaufreibender Kabelsalat zu Stande kommt.

Es lohnt sich also, auch der Gestaltung scheinbar nebensächlicher Dinge mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegen zu bringen, denn sie sind es, die einem das Leben leichter und attraktiver machen.

______________________________________________________________________________________________________________

Jedem Gebrauchsgegenstand liegt ein Designprozess zu Grunde, der den Menschen und seine Sinneswahrnehmungen zum Maßstab hat. Der Mensch nimmt die sensorischen Merkmale eines Produktes und seine äußere Form zwar passiv wahr, jedoch ist ihm häufig nicht bewusst, dass dahinter eine umfangreiche Entwurfsleistung steckt.

Das wesentliche Ziel der Projektarbeit „Design in Worten“ ist die Vermittlung des Gestaltungshintergrundes von bekannten Alltagsgegenständen an Fachfremde im öffentlichen Raum. Damit soll das Bewusstsein für die Allgegenwärtigkeit von Design geschärft und auf die funktionalen und fertigungstechnischen Aspekte sowie die emotionale Wirkung hingewiesen werden.

Das Konzept wurde in Textform anhand von sechs exemplarischen Alltagsgegenständen erarbeitet und beispielhaft als Plakate für Litfaßsäulen umgesetzt. Über die Links am unteren Screenrand gelangen Sie zu den von mir verfassten Texten zu drei Gegenständen.

WORK: Konzeption, Gestaltung, Text

IN COOP: Oliver Jaist (gemeinsame Konzeption/Gestaltung)

MENTORING: Prof. Markus Frenzl